Sicherheit am Produktionsarbeitsplatz

Im Jahr 2016 wurden circa 850.000 Arbeitsunfälle gemeldet. Jeder Unfall war mit Ausfällen von einigen Stunden bis hin zu mehreren Wochen verbunden. Etwa 13.000 Arbeitsunfälle im Jahr 2016 hatten eine Unfallrente zur Folge (Quelle: https://aug.dguv.de/sicherheit-gesundheit/hoch-hinaus-aber-sicher/) . Sicherheit am Arbeitsplatz ist in jedem Unternehmen ein bedeutendes Thema. Je sicherer ein Arbeitsplatz gestaltet ist, desto weniger Arbeitsausfälle muss ein Unternehmen hinnehmen. Besonders Beschäftigte an Produktionsarbeitsplätzen sind durch ein hohes Unfallrisiko belastet. Die Arbeit mit schweren Lasten, Leitern, Maschinen oder Werkzeug birgt jederzeit Gefahren. Sind sich Arbeitgeber diesen Risiken bewusst, können sie die Sicherheit am Produktionsarbeitsplatz aktiv verbessern. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die wichtigsten Grundlagen für einen sicheren Produktionsarbeitsplatz.


Maschinen, Werkzeug, Material: Die Besonderheiten des Produktionsarbeitsplatzes



Produktionsarbeitsplätze unterscheiden sich nicht nur stark von der Arbeit im Büro oder im Labor, sie können auch untereinander sehr verschieden sein. Darum gibt es kein Patentrezept, wie ein Produktionsarbeitsplatz sicher gestaltet werden kann. Potenzielle Gefahren gibt es jedoch an jedem Arbeitsplatz in der Produktion, ganz egal, was und wie produziert wird. Die Mitarbeiter hantieren mit Material und Werkzeug, sie sitzen, stehen oder gehen und arbeiten teilweise in anstrengenden Körperhaltungen, wie beispielsweise kopfüber oder auf Kniehöhe. Meist ist ihre Arbeit mit Maschinen verbunden. Sie bedienen sie oder arbeiten Hand in Hand mit ihr. Mit der weiteren Entwicklung der Industrie 4.0 wird dieser Punkt in Zukunft einen immer höheren Stellenwert einnehmen. Die Produktionsmitarbeiter werden gemeinsam mit Robotern arbeiten, sie bedienen, programmieren und direkten Kontakt mit ihnen haben.


Sicherheitsrisiken am Produktionsarbeitsplatz und wie Sie damit umgehen können



Ein Produktionsarbeitsplatz birgt zahlreiche Sicherheitsrisiken und nur die wenigsten davon können gänzlich ausgeschaltet werden. Um Gefahrenquellen zu finden und entsprechend zu handeln, ist es ratsam, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und anschließend entsprechend des Arbeitsschutzgesetzes zu handeln.

Die Arbeit in der Produktion ist immer eine körperliche Herausforderung und erfordert große Achtsamkeit, damit Unfälle vermieden werden können. Das größte Gefahrenpotenzial trägt der Mensch selbst in sich. Ist er nachlässig beim Arbeitsschutz, können die getroffenen Maßnahmen noch so wirkungsvoll sein, ein Unfall ist dennoch vorprogrammiert. Alle Mitarbeiter sollten darum eine Sicherheitsschulung durchlaufen, die sie Auf potenzielle Gefahren bei ihrer Arbeit sensibilisiert und sie zum richtigen Verhalten veranlasst.

Einen Helm zu tragen ist in Produktionshallen, in denen mit Lasten in der Höhe gearbeitet wird, auf jeden Fall obligatorisch. Sind Mitarbeiter jedoch nicht über die Risiken aufgeklärt worden, wird der Helm schnell im Spind vergessen.

Produktionsmitarbeiter hantieren oft mit unterschiedlichen Materialien und Werkzeugen. Beides erfordert einen verantwortungsbewussten Umgang. Scharfkantige Materialien oder nachlässig benutztes Werkzeug können schnell ein Missgeschick provozieren. Die passende Schutzkleidung und die richtige Handhabe sind wichtig, um Gefahren zu minimieren. Bei der Arbeit mit öligen Teilen sind Handschuhe nötig, um einen guten Grip zu gewährleisten und die Haut zu schützen. Bei chemischen Stoffen und Säuren darf die Schutzbrille nicht vergessen werden. Der sichere Umgang mit Materialien und Werkzeug sollte bereits in der Ausbildung in Fleisch und Blut übergehen. Wurde dies versäumt, sollten alle Mitarbeiter dazu angewiesen werden, sich gegenseitig an die Sicherheitsvorgaben zu erinnern. So wird der richtige Umgang mit Materialien und Werkzeugen Teil der Unternehmenskultur und ist bereits nach kurzer Zeit fest verankert.

Ein großes Risiko für Produktionsmitarbeiter ist das hohe Verkehrsaufkommen in Produktionshallen. Staplerverkehr und Kollegen, die so in ihre Aufgaben vertieft sind, dass sie ihre Umgebung nicht beachten, fordern Zusammenstöße heraus. Gut markierte Wege, Staplerstraßen und strenge Verhaltensregeln beugen Unfällen aus Unachtsamkeit vor. Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass die Sicherheit am Produktionsarbeitsplatz immer öfter von Robotern beeinflusst wird. In der Smart Factory der Zukunft werden Menschen und Roboter Hand in Hand arbeiten. Zum Beispiel reichen Roboter Teile zu oder arbeiten gemeinsam mit dem Mitarbeiter am selben Produktionsschritt. Ein Roboter verhält sich entsprechend seiner Programmierung und kann mit seinen Stellmotoren erhebliche Kraft mobilisieren. Die Gefahr eines Unfalls ist groß, wenn der Mensch dem arbeitenden Roboter zu nahekommt, denn auch im Falle eines Zusammenstoßes arbeitet der Roboter weiterhin sein Programm ab, was fatale Folgen haben kann. Arbeiten Mensch und Maschine direkt miteinander muss der Roboter daher über Sensoren und Notabschalter verfügen. Außerdem sollte seine Kraft bei Menschenkontakt deutlich gedrosselt werden. Verfügt ein Fertigungsroboter nicht über die erforderlichen Vorkehrungen, muss er seine Arbeit gesichert in einem Käfig verrichten.


Gesundheitsrisiken am Produktionsarbeitsplatz



Während eine hohe Sicherheit am Produktionsarbeitsplatz Arbeitsausfälle durch Unfälle vermeidet, bergen Industriearbeitsplätze weiterhin Risiken für die Gesundheit der Mitarbeiter. Fehlzeiten aufgrund von gesundheitlichen Beschwerden sind vor allem in der Industrie keine Seltenheit. Die Sicherheit geht Hand in Hand mit der Ergonomie, denn ein gesunder und leistungsfähiger Mitarbeiter ist wach und aufmerksam. Fahrlässigkeiten und Unachtsamkeiten geschehen seltener, je gesünder der Arbeitsplatz gestaltet ist, den Schmerzen im Rücken, Nacken oder Kopf lenken ab.

Durch eine ergonomische Gestaltung des Produktionsarbeitsplatzes werden zahlreiche Gefahrenquellen bereits ausgeschaltet. Die Ergonomie sieht vor, dass keine Wege verstellt werden, alle nötigen Materialien leicht zu erreichen sind, die Luftzirkulation im Raum gegeben ist und dass für eine sehr gute Beleuchtung gesorgt ist.

Durch eine ergonomische Gestaltung erhöht sich die Sicherheit am Produktionsarbeitsplatz signifikant. Denn Unfälle können zum Beispiel auch beim Heben von Lasten geschehen. Die Ergonomie sieht vor, dass Anheben und Abstellen von Lasten möglichst ohne gebeugten Rücken und auf einer Ebene erfolgt. Ist das nicht möglich, sollten Hebehilfen verwendet werden. Wird dieser Grundsatz konsequent beachtet, sind Überlastungen des Rückens, „Verheben“ oder Hexenschüsse so gut wie ausgeschlossen. Auch einseitige Belastungen, die zu Verspannungen oder Muskel- und Gelenkschäden führen können, werden durch die Ergonomie vermieden. Geschieht ein Unfall am Arbeitsplatz, muss er keine direkte Folge der in diesem Moment ausgeführten Tätigkeit sein. Ein unergonomischer Arbeitsplatz kann zu Unfällen führen, indem der schleichende Verschleiß des Körpers irgendwann dazu führt, dass Gelenke, Knochen oder Muskeln nachgeben. Ergonomie beugt Unfällen am Arbeitsplatz langfristig vor und darf bei der Erhöhung der Sicherheit am Arbeitsplatz nicht außer Acht gelassen werden.


Gesundsitzen mit Bimos


Ergonomie und Sicherheit - Das Team zur Unfallverhütung



Ergonomie und Sicherheit am Arbeitsplatz gehen Hand in Hand. Bei der Planung, Um- und Durchsetzung ist ein firmeninternes Arbeitsschutzmanagement unverzichtbar. Wie Sie für mehr Sicherheit am Industriearbeitsplatz sorgen, haben wir für Sie in 10 Tipps zusammengefasst. Die zweiteilige Serie "So gestalten Sie ergonomische Produktionsarbeitsplätze" aus dem Bimos-Magazin gibt Ihnen Hinweise und Lösungsansätze für mehr Ergonomie am Arbeitsplatz.

Ist Ihnen Sicherheit am Produktionsarbeitsplatz wichtig? Haben Sie bereits Maßnahmen ergriffen oder stecken in der Planung? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns und hinterlassen Sie einen Kommentar!


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