Zukunftsdenken: Arbeitsplätze in der Industrie

Interview mit Frau Prof. Dr. Angelika Bullinger-Hoffmann





In Zukunft wird alles vernetzt - Mitarbeiter mit Maschinen, Werkstoffe mit Produkten. Arbeitsbereiche werden automatisiert, Menschen arbeiten Seite an Seite mit Robotern. Frau Prof. Dr. Bullinger-Hoffmann, Leiterin der Professur Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement der TU Chemnitz, spricht in unserem Interview über zukünftige Arbeitswelten, welche Auswirkungen sich dadurch für Arbeitsplätze in der Industrie ergeben ergeben und wie Unternehmen der dafür notwendigen Flexibilität gerecht werden können.



Frau Professorin Bullinger-Hoffmann, wie könnte die Arbeitswelt von morgen im Zusammenhang mit Arbeitsplätzen in der Industrie aussehen?


Die Arbeitswelt von morgen in der Industrie wird ein automatisierter und trotzdem flexibler Bereich, in dem Roboter und Menschen gemeinsam tätig werden. Je nach Produktionsmenge und Produktstandardisierung wird die Fertigung stärker automatisiert und die situative Intelligenz des Menschen weniger benötigt. Für Einzelteilfertigungen übernehmen flexible Fertigungszellen durch die Kombination verschiedener Fertigungsverfahren einen Großteil des Produktionsaufwandes. Trotzdem sind weiterhin viele Menschen in der Industrie aktiv. Dies betrifft vor allem Überwachung und Instandhaltung innerhalb der Fertigung, als auch Pilot- und Innovationszentren.



Wie werden wir in Zukunft in der Produktion arbeiten?


Datenaustausch über Netzwerke ermöglicht die Überwachung und Instandhaltung durch Mitarbeiter flexibel auch von unterschiedlichen Orten, was neue Arbeitszeit- und Arbeitsortmodelle ermöglicht. Um der Verwischung der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit entgegenzuwirken werden sich gesellschaftliche Regeln und Richtlinien etablieren um die Mitarbeiter vor psychischen Erkrankungen zu schützen. In der Produktion selbst entstehen noch größere Pilotzentren, welche die Erprobung der optimalen Fertigungseinstellungen und -abläufe, ebenso wie neuer Technologien ermöglichen. Dabei wird in Analogie zu kreativen Arbeitsprozessen iterativ getestet und umgesetzt.



Welche Bedeutung ordnen Sie dem Internet der Dinge zu und welchen Einfluss wird es im Zusammenhang mit Industriearbeitsplätzen haben?


Die Vernetzung der Dinge wird im Wesentlichen durch neue Sensoren sowie besserer Rechnertechnik getrieben und ist die Triebfeder des Begriffs Industrie 4.0. Dabei ist der offensichtliche Einfluss natürlich die Steigerung der Automatisierung und die Senkung von Herstellungskosten. Wer dabei nicht mithält wird bald zu teuer um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Nebenbei ermöglich die neue Sensortechnik jedoch auch die Mitarbeiter besser zu schützen, Arbeitsplätze zu optimieren und die Mensch-Maschine-Interaktion zu vereinfachen. Schlicht das Arbeiten noch komfortabler zu gestalten. So ist es leicht möglich, Bewegungsräume zu erkennen um beispielsweise Kollisionen mit Robotern auszuschließen, Arbeitsmittel auf die Ankunft der Mitarbeiter einzustellen oder ganz simpel über Gesten Eingaben an Maschinen zu tätigen. Auch das Erfassen von Gesundheitsdaten kann Arbeitnehmer am Arbeitsplatz schützen, wenn entsprechende Reglungen zur Datenverwendung mit der Arbeitnehmervertretung getroffen sind.



Welche Anforderungen werden in diesem Zusammenhang an Produkte in der Produktion gestellt?


Nun Produkte in der Produktion unterliegen natürlich anderen Umgebungseigenschaften und höheren Belastungen als Produkte in anderen Umfeldern. Das bedeutet beispielsweise mehr Lärm und mehr Schmutz. Jeder Sensor, der verbaut wird, muss das natürlich berücksichtigen. Teilweise verändern sich durch die Umgebungseigenschaften auch die Eingabemodalitäten. So ist eine Sprachsteuerung in lauter Umgebung schlechter für eine Interaktion geeignet als beispielweise die Gestensteuerung.



Was bedeutet das für einen Hersteller wie Bimos?


Nun als Hersteller im Allgemeinen gilt es sich Fragen zu stellen. Kann ich mein Produkt mit Sensoren und Aktoren erweitern, die im Anschluss brauchbare Informationen generieren und sinnhafte Einstellmöglichkeiten schaffen? Kann ich sowohl benutzerfreundliche Interaktionen mit dem Produkt, als auch offene aber sichere Schnittstellen zum Datenaustausch und zur Ansteuerung ermöglichen? Ist das Endprodukt dann auch vom Kunde bezahlbar? Zentral bei allen Fragen ist dabei der "user centered design prozess", denn nur wenn ich Nutzeranforderungen erhebe und iterativ Prototypen teste, ist mein Produkt schlussendlich gebrauchstauglich gestaltet. Für Bimos könnte dies also bedeuten, dass derArbeitsstuhl bald mit dem Oberhemd und dem Handy über die Bewegungen des Arbeitnehmers philosophiert und sich dann an den jeweiligen Mitarbeiter anpasst oder Hinweise für eine gesunde Sitzhaltung gibt.



Arbeitsplätze in der Industrie: Wie geht Bimos mit den Fragen der Zukunft um?

Wie sieht der Industriearbeitsplatz von morgen aus? Welche Entwicklungen in der Arbeitswelt und der Technologie beeinflussen den Arbeitsplatz der Zukunft? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Bimos immer wieder aufs Neue. Durch die Vernetzung des Arbeitsplatzes, die schon jetzt und in Zukunft immer stärker stattfinden wird, sprechen wir nicht mehr von einem Tisch, einem Stuhl und einer Arbeitsleuchte. Wir sind auf der Suche nach zusammenhängenden Lösungen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Bimos arbeitet deshalb mit zuverlässigen Partnern an der Idee eines gesamtheitlichen Arbeitsplatzes in der Industrie. Zusammen mit den Unternehmen Waldmann und KARL entstand die Idee für teamwork FORUM, einer Veranstaltung die eine Diskussionsplattform und Spielraum für neue Ideen bietet und die oben genannten Fragen aufgreift.



Fotograf: © Arvid Müller.



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